Jugendgerechtes Baden-Württemberg
Unsere Vision ist ein jugendgerechtes Baden-Württemberg. Jugendgerecht ist ein Land dann, wenn politische Entscheidungen systematisch die Lebenslagen und Rechte junger Menschen berücksichtigen, sie schützt und ihre Perspektiven verbindlich einbezogen werden.
Wir wollen, dass die Lebenslagen junger Menschen aus jeder Perspektive der Landespolitik mit betrachtet und beachtet werden. Alle Ministerien müssen sich daran messen lassen, ob sie Beiträge zu mehr Jugendgerechtigkeit leisten. Junge Menschen haben ein Recht darauf, dass Politik ihnen gegenüber Rechenschaft ablegt, wie ihre Chancen gesichert und verbessert werden.
Jugendgerechtigkeit bedeutet materielle Absicherung
Materielle Armut schränkt Teilhabe massiv ein. Wer in Armut aufwächst, hat schlechtere Chancen in Bildung, Gesundheit und politischer Mitgestaltung. Wir sehen es daher als zentrale Aufgabe der Landespolitik, Kinder- und Jugendarmut entschieden zu bekämpfen. Wir treten deshalb für armutsverhindernde soziale Sicherungssysteme für junge Menschen und ihre Familien ein.
Wir wollen für alle jungen Menschen einen verlässlichen Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe. Angebote der Kinder- und Jugendarbeit in Bewegung, Kultur und Freizeit dürfen nicht zu Luxusgütern werden, sondern müssen allen offenstehen. Wir wollen, dass Gebühren, Beiträge und versteckte Kosten systematisch ausgeglichen werden, damit kein junger Mensch aus finanziellen Gründen ausgeschlossen wird.
Jugendgerechte Lebenslagen: Wohnen, Mobilität, Gesundheit, Digitalität
Jugendgerechtigkeit entscheidet sich in den alltäglichen Lebenslagen junger Menschen. Ein jugendgerechtes Baden-Württemberg braucht bezahlbaren Wohnraum, sicheren und verlässlichen öffentlichen Verkehr, sowie wohnortnahe Infrastruktur. Junge Menschen müssen sich unabhängig von Einkommen und Wohnort bewegen, Freundschaften pflegen und Bildungs- wie Freizeitangebote nutzen können.
Wir fordern eine jugendgerechte Wohnungspolitik, die Studierende, Auszubildende und andere junge Menschen im Blick hat, sowie eine Mobilitätspolitik, die flächendeckend, klimafreundlich und bezahlbar ist.
Mentale Gesundheit muss stärker in den Fokus rücken: Prävention, Zugänge zu Beratung, Therapie und niedrigschwelliger Unterstützung sind in vielen Regionen unzureichend. Wir wollen gemeinsam mit unseren Mitgliedsorganisationen gute Wege finden, um junge Menschen zu stärken und wirksam gegen Einsamkeit zu unterstützen.
Digitale Teilhabe statt Ausgrenzung junger Menschen verstehen wir als Grundvoraussetzung in Zeiten digitaler Revolution – dafür braucht es gute Infrastruktur, Endgeräte, Medienbildung und den Schutz aller Bürger*innen. Insbesondere junge Menschen müssen vor Diskriminierung und Hass im Netz geschützt sein.
Baden-Württemberg – ein Land jugendgerechter Perspektiven
Baden-Württemberg schwebt nicht im Orbit und ist auch keine isolierte Insel. Jugendgerechtigkeit ist weltweit, in Europa und auch in Deutschland eine zentrale Aufgabe. Diese müssen Bund, Länder und Kommunen gemeinsam angehen. Wir verstehen dabei Baden-Württemberg als unseren Gestaltungsraum, in dem wir, als Landesjugendring Baden-Württemberg, Jugendpolitik mit entwickeln.
Landespolitische Initiativen zu Bildungsgerechtigkeit, Armutsbekämpfung, Demokratieförderung und Jugendbeteiligung müssen sich an den Bedürfnissen junger Menschen orientieren und im Dialog mit ihnen entwickelt werden. Als Landesjugendring Baden-Württemberg bringen wir die Perspektiven junger Menschen in diese Debatten ein und machen deutlich, dass Jugendverbände unverzichtbare Akteure einer demokratischen Zivilgesellschaft sind. Auf kommunaler Ebene sind dabei in erster Linie die Stadt- und Kreisjugendringe unser Pendant mit denen wir im engen Austausch stehen und auf Bundesebene sind wir Teil des Deutschen Bundesjugendrings,
Unser Engagement für Chancengerechtigkeit steht dabei im Kontext der internationalen Kinder- und Menschenrechte. Die UN‑Kinderrechtskonvention verpflichtet Staat und Gesellschaft, allen Kindern und Jugendlichen gleiche Rechte auf Bildung, Schutz, Förderung und Beteiligung zu sichern. Wir verstehen diese Rechte als handlungsleitenden Rahmen für Landespolitik und Jugendpolitik in Baden-Württemberg.
Gleichzeitig begreifen wir Jugendgerechtigkeit als globale Aufgabe. Die dreifache planetare Krise (Klimakrise, Biodiversitätsverlust, Umweltverschmutzung), Migration und Flucht, Krieg und weltweite soziale Ungleichheiten betreffen junge Menschen in besonderer Weise. Ein jugendgerechtes Baden-Württemberg muss daher auch Verantwortung in Europa und weltweit übernehmen: durch faire Bildungs- und Migrationspolitik, durch globale Lernangebote in der Kinder- und Jugendarbeit und durch starke Partnerschaften mit Jugendorganisationen in anderen Ländern. Junge Menschen in Baden-Württemberg haben ein Recht darauf, als Teil einer globalen Jugend gesehen und gehört zu werden.
Anwalt für Jugendgerechtigkeit
Als Landesjugendring Baden-Württemberg verstehen wir Jugendgerechtigkeit als Querschnittsaufgabe unserer Arbeit. Wir vertreten und schützen die Interessen junger Menschen gegenüber Politik und Öffentlichkeit, stärken Jugendverbände und Jugendringe als Räume gelebter Demokratie und setzen uns dafür ein, dass Strukturen in diesem Land jugendgerechter werden.
Wir werden Missstände und Benachteiligungen benennen, gemeinsam mit und als junge Menschen Lösungen entwickeln und die Landespolitik an ihren Versprechen messen. Jugendgerechtigkeit ist für uns kein einmaliges Ziel, sondern ein dauerhafter Auftrag. Unser Anspruch ist ein Baden-Württemberg, in dem alle jungen Menschen – unabhängig von Herkunft und Lebenslage – ihre Zukunft selbstbewusst, solidarisch, sicher und frei gestalten können.
Wir setzen uns für ein Land Baden-Württemberg ein, in dem Herkunft, sozialer Status, Geschlecht, Behinderung, sexuelle Orientierung, Religion, Aufenthaltsstatus oder Wohnort nicht über Zukunftschancen entscheiden. Jugendgerechtigkeit bedeutet für uns, dass alle jungen Menschen reale, nicht nur formale Möglichkeiten haben, ihr Leben selbstbestimmt und geschützt zu gestalten, ihre Talente zu entfalten und Verantwortung in Gesellschaft und Demokratie zu übernehmen.
Wenn wir von Jugendgerechtigkeit sprechen, betonen wir unsere Perspektive auf das Verhältnis der Generationen in unserer Gesellschaft. Unser Fokus ist naturgemäß auf das Jugendalter gerichtet und bezieht sich auf eine umfassende Generationengerechtigkeit.
Jugendgerechtigkeit und Chancengerechtigkeit sind dabei zwei Seiten einer Medaille. Beide sind zentrale Strukturprinzipien einer Gesellschaft und viel mehr als Gleichbehandlung von Personen. Sie erfordern gezielte Unterstützung für diejenigen, die von struktureller Benachteiligung betroffen sind. Wer mit Hürden konfrontiert ist, braucht stärkere Unterstützung, damit aus abstrakten Rechten konkrete Möglichkeiten werden. Jugend- und Chancengerechtigkeit sind für uns daher gemeinsam Maßstab für die Qualität von Demokratie und sozialem Zusammenhalt in Baden-Württemberg.
In den kommenden Jahren wollen wir uns als Landesjugendring Baden-Württemberg auf vier Themenbereiche fokussieren, in deren Rahmen wir unsere Aufgaben als Interessensvertretung, Fachorganisation und mit unseren Serviceleistungen zur Verwirklichung von Jugend- und Chancengerechtigkeit in Baden- Württemberg beitragen wollen.