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Impuls: Stay connäcted

Stellschrauben für eine nachhaltige Zusammenarbeit in Dachorganisationen

von Karoline Gollmer

Gerade für ehrenamtlich geführte Jugendringe oder Jugendverbände ist das Engagement der Mitgliedsorganisationen bzw. der Delegierten essentiell. Auch die Studie des Deutschen Jugendinstituts zeigt, dass vor allem ehrenamtlich geführte Jugendringe mit ihren Mitgliedsverbänden kooperieren müssen, um Ressourcen zu mobilisieren.

Wie kann ein wechselseitiger Kontakt eines Jugendrings oder Dachverbands mit den eigenen Mitgliedsorganisationen gestaltet werden? Welche Maßnahmen unterstützen beim Beziehungsaufbau? Dieser Beitrag legt den Fokus auf strukturelle Anregungen und Impulse für den Verbandsalltag. Wir zeigen Ansätze auf, um Mitgliedsorganisationen näher zusammenzubringen und Zusammenarbeit zu fördern.

Unkomplizierte Kommunikation ermöglichen

Eine aktive Mit- und Zusammenarbeit von Mitgliedsorganisationen setzt niederschwellige Kommunikationswege und klare Informationsflüsse zwischen Dach- und Mitgliedsorganisation voraus. Über unterschiedliche Kanäle und Tools können die eigenen Angebote und Beteiligungsformate an die Mitgliedsvereine kommuniziert und Bedarfe ermittelt werden. Auch Vernetzung kann vorangetrieben und Kooperationsprojekte angestoßen werden.

Abseits von den klassischen Mailverteilern und Newslettern können digitale Tools bereichernd sein. Zur besseren Vernetzung sowie für kurzfristige Kooperationsanfragen greifen einige Dachverbände auf Messenger-Communities zurück. Auch der klassische Newsletter kann über die Kanal-Funktion niederschwellig zugänglich gemacht werden.

Darüber hinaus können digitale Kollaborationsplattformen (wie Notion oder Trello) oder Umfragetools (wie easy-feedback oder Umfrage-Online) die Zusammenarbeit erleichtern – egal, ob es um eine Terminkoordinierung, umfangreiche Bedarfsabfragen oder die grundsätzliche Arbeitsweise im Vorstand oder in etwaigen Ausschüssen betrifft.

Bevor ein Tool eingeführt wird, sollte eine Prüfung hinsichtlich Datenschutzkonformität stattgefunden haben. Eine Übersicht an ausgewählten digitalen Tools, vor allem hinsichtlich Einsatzweck und Datenschutzkonformität, findet sich im Jugendarbeitsnetz.

Gegenseitiges (informelles) Kennenlernen fördern

Niederschwellige Vorstellungsformate erleichtern das Zusammenkommen und können gleichzeitig die Verbandsidentität stärken. Dies kann analog oder digital über Verbandszeitschriften oder einen gemeinsamen Image-Film geschehen. Mitgliedsvereine stellen sich vor oder berichten (regelmäßig) über ihre Jahresaktivitäten, wie zum Beispiel in der Vereinsbroschüre des Stadtjugendrings Schorndorf. Solch eine Vereinsvorstellung lässt sich auch gut als Posting-Reihe auf Social-Media übertragen.

Die Mitgliederversammlung kann sich hierfür ebenfalls eignen. Der Stadtjugendring Crailsheim plant beispielsweise anhand der Anwesenheitsliste in jeder Frühjahrsversammlung eine Vorstellung der Delegierten mit einem kurzen Jahresausblick ein. Bei größeren Verbänden kann die Vorstellung auch auf einzelne wenige Mitgliedsorganisationen pro Versammlung begrenzt werden. Vielleicht bietet es sich sogar an, die kommende Versammlung zu einer der Mitgliedsorganisationen zu verlagern?

Die Zusammenarbeit innerhalb eines Dachverbandes wird oftmals in offiziellen Formaten sichtbar und wirksam. Jedoch darf das Potential von informellem Austausch nicht unterschätzt werden. Über gemeinsame Spieleabende, Weihnachtsmarktbesuche, Verbands- oder Sommerfeste können Delegierte in einem ungezwungenen Rahmen miteinander in Austausch kommen und sich besser kennenlernen. Vor allem nach offiziellen Sitzungen oder Versammlungen kann sich ein Ausklang ohne Agenda lohnen, um auch auf der persönlichen Ebene eine Beziehung aufzubauen. In diesen informellen Settings ergeben sich häufig Ideen für weitere Kooperationsprojekte und gemeinsame Aktionen.

Attraktive Formate und Begegnungsräume schaffen

Zwischen Interessenvertretung, Freizeitgestaltung, Unterstützungs- und Bildungsangeboten kann ein Jugendring oder-verband unterschiedliche Schwerpunkte setzen. All diese Bereiche bergen enormes Potential, um den internen Zusammenhalt zu stärken.

Hierbei gilt es nicht nur innovative Formate auszuprobieren, sondern auch bestehende Formate und Begegnungsräume einem regelmäßigen „Attraktivitätscheck“ zu unterziehen. Dabei können schon einfache Maßnahmen, wie die Verpflegung in Sitzungen oder Versammlungen dafür sorgen, dass Delegierte gerne wieder kommen. Gleichermaßen ist eine Sensibilisierung für interkulturelle Feste und Feiertage bei Terminierungen oder auch die Wahl einer passenden Uhrzeit ausschlaggebend, dass sich Menschen überhaupt einbringen können. Im Impuls „(Mitglieder-)Versammlungen aktivierend gestalten“ gibt es weitere Ideen, um Versammlungen für Vernetzung und inhaltlichen Austausch zu nutzen.

Regelmäßige Austauschformate, wie (digitale) Sprechstunden oder Vereinsbesuche bei Freizeiten oder anderen Aktionen, sind unverzichtbar für den Beziehungsaufbau mit den eigenen Mitgliedsvereinen. Gerade Vor-Ort-Besuche sind auch ein Zeichen von Wertschätzung. Diese Angebote zeugen von Interesse am Austausch und an den Bedarfen der Mitgliedsorganisationen. Dadurch können die Unterstützungsangebote wiederum bedarfsorientiert gestaltet werden.

Gemeinsame Aktionen und Projekte runden die Zusammenarbeit innerhalb eines Dachverbands ab. Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Je nach Ressourcen und Schwerpunktsetzung des Jugendrings- oder verbands kommen unterschiedliche Formate in Frage. Steht das Thema Fort- und Ausbildung im Vordergrund ist die gemeinsame Organisation von Fachtagen oder verbandsübergreifende Juleica-Schulungen interessant. Für die Freizeitgestaltung eignen sind ganz klassische vereinsübergreifende oder internationale Jugendfreizeiten. (Stadt-)Feste oder Weihnachtsmärkte sind ebenfalls gute Gelegenheiten, um mit mehreren Mitgliedsverbänden ein Mitmachangebot oder auch einen Verkaufsstand zu organisieren. Liegt der Fokus mehr auf Repräsentanz und Interessenvertretung können Demonstrationen, Neujahrsempfänge oder Vereinstreffen der Kommunen in Betracht gezogen werden.

Alternative Vorstandsmodelle und Mitgliedschaften einführen

Der Vorstand und die Mitgliederversammlung bilden das Herzstück eines Verbandes. Sie sind auf die Beteiligung der Mitgliedsverbände angewiesen. Häufig wird zurückgemeldet, dass große Verantwortungsbereiche und hierarchische Strukturen in der Vorstands- und Gremienarbeit abschreckend wirken. Doch auch hier gibt es viele innovative Ansätze für „mehr miteinander“.

Bevorstehende Vorstandswahlen sind gute Anlässe, um die eigenen Strukturen zu überprüfen und gegebenenfalls Veränderungen hinsichtlich einer Satzungsänderung anzustoßen.

Denn das klassisch hierarchische Vorstandsmodell: erste*r Vorsitzende*r — stellvertretende*r Vorsitzende*r — Kassierer*in etc.; ist so nicht im Vereinsrecht festgeschrieben. Die Vorstandsstruktur hinsichtlich Aufbaues, Anzahl und Verantwortungsbereiche kann jede Organisation selbst bestimmen. Je offener die Formulierungen in der Satzung dahingehend sind, desto flexibler kann die Besetzung und Aufgabenverteilung stattfinden.

Es gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich! Konkrete Absprachen und Ressortteilung können in gesonderte Ordnungen ausgelagert werden. Diese Flexibilität erlaubt es bei Neubesetzungen Verantwortungsbereiche nach Interesse und Fähigkeiten (neu) zu bestimmen.

Vorstandsmodelle mit paritätischer Besetzung oder Co-Leadership-Ansätze, in denen die Verantwortung als Vorsitz auf zwei Personen aufgeteilt wird, sind Beispiele, um die Hemmschwelle für eine Amtsübernahme zu verringern. Als Gegenmodell werden auch komplett gleichberechtigte Teammodelle immer beliebter, die sich lediglich durch ihre Funktion bzw. Aufgabenbereiche unterscheiden. Zusätzlich können hierbei auch projektbasierte Mandate oder Hospitationsmöglichkeiten ohne Wahl in Erwägung gezogen werden, um interessierte Delegierte an eine Vorstandstätigkeit heranzuführen und den Einstieg zu erleichtern.

Ein weiteres Potential, um motivierte Engagierte für die Mitarbeit im Vorstand oder Gremien zu gewinnen, liegt auch in neuen Mitgliedschaften. Der Stadtjugendring Nürtingen unterscheidet zwischen Voll-, Förder- und Gastmitgliedschaften. Letztere beziehen sogar Einzelpersonen ein, die zwar kein Stimmrecht in der Mitgliedsversammlung haben, aber dennoch in den Vorstand gewählt werden können. Mehr zum Thema Vorstandsbildung und -entwicklung findet sich im Impuls „Staffelübergabe –Check!“.

Stay Connäcted!

Vieles aus der individuellen Engagementförderung für Vereine ist auf Dachorganisationen übertragbar. So sind Themen wie Wertschätzung oder Beteiligung ebenfalls für Jugendringe oder -verbände relevant. Mitgliedsorganisationen haben gleichermaßen Bedarfe, die gehört werden wollen. Sie müssen den Mehrwert des Dachverbandes und der Zusammenarbeit erleben, um sich einbringen zu wollen. Die unterschiedlichen Ausgangslagen hinsichtlich Ressourcen und Strukturen müssen stets mitberücksichtigt werden.

Somit ist ein Zusammenspiel zwischen Dachorganisationen und Untergliederungen ein ständiger Balanceakt und ein dynamischer Prozess. Aber es lohnt sich dranzubleiben und erstmal im Kleinen anzufangen! So wirkt sich regelmäßige Kontaktaufnahme positiv und langfristig auf die Beziehung aus. Eine nachhaltige Zusammenarbeit stärkt alle Beteiligten und kann bislang ungenutzte Ressourcen mobilisieren.

Das Förderprogramm zur Prozessbegleitung von „The Länd of Young Ehrenamt“ könnte euch behilflich sein mit einer individuellen Beratungsperson die Zusammenarbeit im Verband strukturell anzugehen. Nähere Informationen findet ihr auf der Projekthomepage.

Ihr wollt euch noch weiter mit dem Thema Zusammenarbeit mit dem Fokus auf externe Kooperationen beschäftigen? Dann schaut euch gerne noch den Impuls „Gemeinsam stärker!“ an.

Literatur

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