Pressebereich
Sie möchten in unseren Presseverteiler aufgenommen werden? Schreiben Sie an Karoline Gollmer
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Stuttgart, 22.01.2026. In vielen Städten, Gemeinden und Landkreisen Baden‑Württembergs werden derzeit Einsparungen bei Angeboten der Schulsozialarbeit, der Mobilen Jugendarbeit, in den Jugendhäusern, in den Jugendverbänden und weiteren diskutiert oder bereits umgesetzt. Diese Entwicklung erfüllt uns mit großer Sorge. Einschnitte in diesem Bereich treffen junge Menschen in einer Phase besonderer gesellschaftlicher Herausforderungen – und gefährden wichtige Unterstützungsstrukturen vor Ort.
Wir richten daher einen klaren Appell an kommunale Entscheidungsträger*innen und Verwaltungen: Kürzen Sie nicht dort, wo Prävention, Teilhabe und Zukunftschancen gesichert werden. Die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe (Landkreise und Stadtkreise) tragen die gesetzliche Verantwortung (§79ff SGB VIII und §18 LKJHG BW), bedarfsgerechte, plurale und inklusive Angebote für junge Menschen vorzuhalten.
Sicherheitsbehördliche Lageeinschätzungen und die Erfahrungen der Fachpraxis weisen seit Längerem darauf hin, dass soziale Isolation und fehlende Zugehörigkeit erhebliche Risikofaktoren für Radikalisierungsprozesse bei jungen Menschen darstellen.
Als wirksame Antwort benennt die Analyse der kürzlich erschienenen SatBW-Studie zur sogenannten „Terrorgram“-Szene den Ausbau sozialer Teilhabemöglichkeiten: wohnortnahe Treffpunkte, verlässliche Begleitung, offene Jugendarbeit, Vereine und Freizeitangebote. Voraussetzung dafür sind gut ausgestattete Trägerstrukturen und funktionierende Netzwerke – insbesondere auch in ländlichen Regionen.
Diese Befunde decken sich mit den Erfahrungen der Fachpraxis: Nachhaltige Prävention entsteht durch kontinuierliche, niedrigschwellige und gut vernetzte Angebote, nicht durch kurzfristige Projekte oder spätere Interventionen nach Eskalationen.
Eine jugendgerechte Gesellschaft beginnt in der Kommune – nicht allein in der Schule, sondern überall dort, wo junge Menschen Unterstützung, Orientierung und Räume zur Entwicklung finden. Kinder‑ und Jugendarbeit (insbesondere die verbandliche und Offene Kinder- und Jugendarbeit) sowie Jugendsozialarbeit (hierzu gehört die Schulsozialarbeit und Mobile Jugendarbeit) begleiten junge Menschen dabei, selbstbestimmt, eigenverantwortlich und gemeinschaftsfähig zu werden.
Die vergangenen Jahre haben die Belastungen deutlich erhöht: Nachwirkungen der Pandemie, globale Krisen und gesellschaftliche Spannungen wirken sich spürbar auf das Wohlbefinden junger Menschen aus. Studien und Rückmeldungen aus der Praxis zeigen, dass mentale Gesundheit entscheidend für Bildungserfolg, soziale Teilhabe und gesellschaftliche Integration ist.
„Wir erleben täglich, wie wichtig eine vertraute Ansprechperson für Jugendliche ist. Wenn diese Strukturen wegfallen, bleiben junge Menschen mit ihren Sorgen allein.“ (Heike Witzemann, Netzwerk Schulsozialarbeit)
Kinder‑ und Jugendarbeit sowie Jugendsozialarbeit sind keine freiwilligen Leistungen, sondern gesetzlich (u.a. §79ff SGB VIII und §18 LKJHG BW) verankerte Aufgaben der Jugendhilfe. Sie wirken präventiv, stabilisierend und entlastend – für junge Menschen ebenso wie für Kommunen.
Kürzungen in diesen Bereichen erhöhen nachweislich Risiken:
„Kinder- und Jugendarbeit sowie Jugendsozialarbeit sind kein Luxus, sondern Präventionsarbeit in der Praxis: Sie beugen Krisen vor, erkennen sie frühzeitig und schaffen Raum für Entwicklung. (Katrin Stegmaier, LAG Jugendsozialarbeit BW)
Jugendsozialarbeit sowie Kinder- und Jugendarbeit leisten einen wesentlichen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zur Demokratiebildung. In einer Zeit, in der viele junge Menschen ein starkes Interesse an gesellschaftlichen und politischen Themen zeigen, sind verlässliche Räume für Austausch, Beteiligung und Mitgestaltung besonders wichtig. Diese Angebote fördern Gleichstellung und stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt unter Kindern und Jugendlichen aller Geschlechter.
„Jugendangebote schaffen Räume, in denen junge Menschen Verantwortung übernehmen, demokratische Erfahrungen machen und Gemeinschaft erleben können. Diese Strukturen sind eine Voraussetzung für eine lebendige Demokratie.“
(Alexander Strobel, Vorstandssprecher Landesjugendring Baden‑Württemberg)
Wir fordern:
Fragen Sie sich: Was wollen Sie für Ihre eigenen Kinder und Enkelkinder?
Junge Menschen selbst sagen: „Wir wollen nicht nur eine Zahl in Statistiken sein oder als reiner Wirtschaftsfaktor wahrgenommen werden, sondern als junge Menschen, deren Stimmen und Ideen ernst genommen werden. Gerade in schwierigen Phasen brauchen wir Orte und Menschen, die uns auffangen und begleiten.“ (Selina, 14 Jahre)
Was wir heute für junge Menschen erhalten oder abbauen, prägt unsere Gesellschaft von morgen. Wer jetzt notwendige Angebote schwächt, riskiert nicht nur individuelle Schicksale, sondern auch gesellschaftliche Folgekosten.
Zukunft sichern heißt: verantwortungsvoll entscheiden, investieren – und Prävention stärken.