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drei Menschen lesen eine Zeitschrift

Ohne Ehrenamt geht’s nicht!

Ferienfreizeiten der Jugendverbände sind auch für Politikerinnen und Politiker eine willkommene Abwechslung

Stuttgart. Für viele mehr als nur das i-Tüpfelchen der Sommerferien: Ferienlager. Und so verschieden wie die Interessen junger Leute ist auch die Auswahl, vom Zeltlager über Stadtranderholung und Wandertouren bis hin zu Auslandsreisen. Rund 5.700 Angebote gibt es allein von den Jugendvereinen in Baden-Württemberg. Und die werden zum großen Teil ehrenamtlich gestemmt.

Rund 30.000 Ehrenamtliche engagieren sich Sommer für Sommer in den Jugendverbänden und -ringen. Bis zu 16 Stunden täglich sind sie auf den Beinen, damit die Teilnehmerinnen und Teilnehmer rundum gut versorgt sind. Dazu kommt Vor- und Nachbereitung und nicht zu vergessen, die Qualifizierung fürs Ehrenamt. Und das lohnt sich, denn aus freiwilligem Engagement entstehen nicht nur tolle Angebote, sondern auch tolle Gemeinschaften.

Die kennenzulernen, steht auch regelmäßig bei Politikerinnen und Politikern auf dem Terminkalender: „Wir wissen von einigen, die immer wieder Freizeiten besuchen, wie der Landtagsabgeordnete Thomas Poreski (Grüne), Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU) und dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Andreas Stoch. Und auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann war dieses Jahr mit der Schwäbischen Albervereinsjugend wandern. Das zeigt große Wertschätzung gegenüber den Ehrenamtlichen“, sagt Bendix Wulfgramm, stellvertretender Vorsitzender des Landesjugendrings Baden-Württemberg.

Ohne angemessene Förderung geht’s auch nicht

„Die Ferienprogramme sind uns eine Herzensangelegenheit. Aber viele Verbände arbeiten an der Grenze des finanziell Möglichen – auch bei der Schulung ihrer Ehrenamtlichen. Was wir brauchen, ist eine mit Weitblick angelegte Förderung der Jugendverbände“, sagt Wulfgramm.

Wie wird gefördert? Eine Freizeit in Zahlen

Sommerfreizeiten sind ein lebendiges Beispiel für das, was Jugendverbände größtenteils ehrenamtlich auf die Beine stellen. Eine ist das „Camp Horn“ des Jugendwerks der AWO, das dieses Jahr von den Abgeordneten Karl Rombach (CDU) und Nese Erikli (Grüne) besucht wurde. Das Zeltlager liegt direkt am Bodensee auf der Halbinsel Höri – bei schönem Wetter kann gebadet werden, außerdem gibt es Geländespiele, Ausflüge, Bootsfahrten und am Abend Lagerfeuer oder Disko. Freizeiten wie diese werden über den Landesjugendplan gefördert.

Der Geschäftsführer des Jugendwerks der AWO Württemberg, Stephan Kelm, hat die Zahlen einmal aufgeschlüsselt:

Die Freizeit am Bodensee bietet Kindern von 9 bis 13 Jahren ein abwechslungsreiches, zehntägiges Programm, bei dem sie rundum betreut werden. Für Hinfahrt ab Stuttgart oder Karlsruhe, Unterkunft, Verpflegung und Programm zahlen die Eltern 335,- €.

Gefördertes Betreuungsverhältnis:
Im Camp Horn betreuen 8 Ehrenamtliche die 40 Kinder. Das entspricht einem – pädagogisch sinnvollen – Betreuungsverhältnis von 1:5. Das Land fördert nur ein Betreuungsverhältnis von 1:11. Der Verband kann daher maximal 4 Betreuer*innen mit dem üblichen Tagessatz abrechnen.

Tagessatz für Betreuer*innen:
Der Einsatz der Ehrenamtlichen wird vom Land pauschal mit 8,70 € pro Tag bezuschusst. Bei einer Dauer von zehn Tagen beträgt die Förderung also insgesamt 348,- € für alle Betreuenden.
Die anfallenden Kosten sind allerdings deutlich höher: neben Fahrtkosten und einer Aufwandsentschädigung sind das auch Programmkosten, Unterkunft und Verpflegung für alle Betreuer*innen. Hier kommen für den Verband 4.600,- € zusammen, plus Personalkosten für die hauptamtliche Unterstützung bei der Planung und Durchführung.
Das sind Kosten, die die Jugendverbände nicht auf die Teilnehmer*innen umlegen möchten, immerhin soll idealerweise kein Kind aus Geldgründen zu Hause bleiben müssen.

Ausbildung der Ehrenamtlichen:
Allzeit gut vorbereitet zu sein, dafür braucht es eine solide Schulung für die Ehren­amtlichen. Beim Jugendwerk der AWO Württemberg absolvieren sie in der Regel 13 Seminartage, bis sie selber eine Freizeit betreuen.
Ein Seminartag kostet den Verband im Durchschnitt 55,- €. Inbegriffen sind Unterkunft, Vollverpflegung, Fahrtkosten, Raummiete, Kosten für Referent*innen und Materialkosten. Gemäß den Richtlinien sollen die Verbände einen Eigenanteil von mindestens 25% tragen – bezuschusst werden die Schulungen nur mit 9,20€ pro Tag.

Wulfgramm: „Die Zahlen unterscheiden sich zwar von Verband zu Verband, die Bedarfslage ist aber gleich. Um langfristig die Arbeit und damit das vielfältige Angebot der Jugend­verbände zu sichern, muss sich die Förderlage verbessern. Und auch die weiteren Rahmen­bedingungen müssen stimmen: weniger Bürokratie, mehr Planungssicherheit, Bildungszeit und Freistellung fürs Ehrenamt.“

Einen Lichtblick gebe es: „Viele der Politikerinnen und Politiker, die eine Freizeit der Jugendverbände besucht haben, wollen sich für eine bessere Förderung stark machen.“ Das lässt sich auf der Facebook-Seite der Kampagne „Jugendarbeit ist MehrWert“ gut nachverfolgen: www.facebook.com/MehrWert.BW

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Mehr Informationen zur Förderung und den Forderungen der Jugendverbände gibt es auf der Seite der Kampagne „Jugendarbeit ist MehrWert“. Mit ihr informieren sie die Landespolitik seit 2015 über Finanzierungslücken im Landesjugendplan: www.ljrbw.de/mehrwert

Der Landesjugendring ist die Arbeitsgemeinschaft von 31 Jugendverbänden auf Landesebene und von den Orts-, Stadt- und Kreisjugendringen. Er vertritt darüber hinaus die Interessen von Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg.

Verantwortlich: Bendix Wulfgramm (stellvertretender Vorsitzender)

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